Unsere Vogelspinnen:

Brachypelma emilia                 Lasiodora klugi

           

Poecilotheria regalis

 

Mit 250-300 Millionen Jahren Alter gehören die Vogelspinnen zu den entwicklungsgeschichtlich alten Tierarten. Es gibt ca. 850 bekannte Arten; jedes Jahr werden neue beschrieben. Der Körper besteht aus Vorderleib und Hinterleib. Auf dem Vorderleib sieht man den Augenhügel mit acht sehr kleinen Augen. Seitlich vom Vorderleib setzen die Extremitäten an: acht Beine, zwei Taster und zwei Fangklauen mit dazugehörigen " Zähnen ". Der Vorderleib sowie die beschriebenen Extremitäten sind von einem relativ harten Chitinpanzer geschützt. Der Hinterleib ist weich und dehnungsfähig. Am Ende sieht man vier Spinnwarzen: zwei sind klein und unscheinbar, die anderen beiden auffällig lang. Sie sind unabhängig voneinander beweglich. Der Hinterleib kann man als eine Art Beutel betrachten, da er bei der Nahrungsaufnahme stark an Volumen zunimmt. Der Körper aller Vogelspinnen ist stark behaart. Es sind dies Geruchs-, Geschmacks-, Tast- und Hörhaare. Mit Hilfe der Tasthaare sind Vogelspinnen in der Lage, Beute zu orten, ihre Entfernung, Größe und Richtung festzustellen, um im richtigen Moment zuschlagen zu können. Viele südamerikanische Arten besitzen Brennhaare auf dem Hinterleib. Diese Haare werden bei Gefahr zielgerichtet mit einem Bein abgefegt. Sie wirbeln durch die Luft und können auf Haut und Schleimhaut zu Hautrötungen und unangenehmem Juckreiz führen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist das Vogelspinnengift für den Menschen keineswegs gefährlich. Die durch den Biß entstehende Wunde muß aber unbedingt desinfiziert werden.


Die Ernährung

Haben Vogelspinnen eine Beute, z.B. eine Grille, mit den Zähnen gepackt, so wird diese zwischen ihnen zerdrückt und dabei Magensaft und Gift in die Beute injiziert. Dieses Gemisch verflüssigt die Grille, die Flüssigkeit wird nun mit Hilfe des Saugmagens durch die sehr enge Speiseröhre in den Körper gesaugt. Dabei wird die Grille immer wieder gedreht und gewendet, um alles Verwertbare zu extrahieren. Danach werden unverdauliche Reste außerhalb des Baues abgelegt. Da die Vogelspinnen äußerlich verdauen und somit fast keine Ballaststoffe in den Körper gelangen, ist ihr Kot flüssig. Er ist als weißlicher Tropfen an den Terrarienscheiben oder auf dem Boden sichtbar.


Die Häutung

Spinnen müssen sich häuten, da der Chitinpanzer nicht mitwachsen kann. Die Vogelspinne zieht sich für diese Zeit in ihren Bau zurück und nimmt keine Nahrung mehr zu sich. Im Körper wird durch hormonelle Umstellung unter der alten Haut eine neue gebildet. Kurz vor der Häutung produziert die Spinne eine Häutungsflüssigkeit, die sich als Trennschicht zwischen die alte und die neue Haut legt. Bei der Häutung presst sie alle Körperflüssigkeit in den Vorderkörper. Der Innendruck kann dabei bis auf das doppelte ansteigen. Der Vorderkörper platzt auf, und die " neue " Spinne schlüpft aus ihrer alten Haut. Ihr Chitinpanzer ist jetzt noch weich. Augen, Lungen und Geschlechtsorgane sind mitgehäutet, beschädigte Spinnenhaare oder Beine sind bei der Häutung regeneriert worden. Erschöpft bleibt die Spinne noch einige Stunden neben der alten Haut liegen. Bis zum Aushärten ihrer neuen Hülle kann sie wachsen. Wenn in der Häutungsphase Futtertiere im Terrarium sind, können sie der Spinne gefährlich werden.


Die Fortpflanzung



Nach der Reifehäutung verändert sich der Körper der männlichen Tiere. Am auffälligsten sind dabei die Bulben genanten Begattungsorgane. Sie haben sich aus den Tastern gebildet und nur noch die Aufgabe, das Sperma zu übertragen. Die Beine sind länger geworden, und der Hinterleib hat sich verkleinert, da männliche Vogelspinnen gar nicht oder nur noch selten fressen. Nachdem eine geschlechtsreife männliche Vogelspinne ihr Sperma in die weibliche Geschlechtsöffnung gebracht hat, frißt das Weibchen große Futtermengen, aber nur manchmal zuerst ihren Partner. Nach mehreren Wochen wird vom Weibchen der Eikokon gebaut. Er besteht aus Spinnfäden, die zu einer Kugel geformt werden, und kann, je nach Größe und Art der Spinne, bis Tennisballgröße erreichen. Manchmal ist er auch noch mir Reizhaaren vom Hinterleib gespickt, um die hineingelegten Eier zusätzlich zu schützen. Der Kokon wird vom Weibchen mit den Zähnen getragen. Nach ca. 5-6 Wochen öffnet das Weibchen den Kokon, um die nun voll entwickelten Jungen aus der Kinderstube zu entlassen. Da sie in dieser Zeit nicht gefressen hat, braucht sie nun sehr große Nahrungsmengen, um sich kurz darauf zu häuten. Da die Geschlechtsteile mitgehäutet werden, muß sie danach erneut begattet werden. Jungspinnen häuten sich alle paar Wochen, ältere seltener, erwachsene Weibchen einmal im Jahr, alte Tiere nur noch alle zwei Jahre. Erwachsene männliche Vogelspinnen häuten sich nicht mehr. Sie verenden nach spätestens einem Jahr, wenn sie nicht vorher von einem Weibchen gefressen werden.

 

Die Lebensweise

 

Man teilt die Vogelspinnen je nach Lebensraum in drei große Gruppen ein:
Röhrenbewohner leben in selbstgebauten, unterirdischen Röhren, die sie selten oder nie
verlassen. Die Röhren sind mit Spinnseide ausgekleidet, am Ende ist der Wohnkessel.
Bodenbewohner leben in bereits vorhandenen Höhlen, die sie erweitert haben, zwischen Steinen
oder in von ihnen leergeräumten Nagerbauten.
Baumbewohner leben in Baumhöhlen und Astlöchern, zwischen Palmenblättern oder auch als
Kulturfolger einfach auf der Rückseite von Straßenschildern und im Gebälk von Häusern u. ä.